Kleine Geschichte Berugs

Zeitalter der Mythen

Das erste Zeitalter, als die Welt noch jung und formbar war. Drachen und Riesen kämpften um die Herrschaft über das Land und die Götter stiegen aus den Himmeln herab, um unter den Irdischen zu leben, sie zu regieren und zu belehren. Die Menschheit lebt im Schatten von Titanen.
Es ist das Zeitalter der größten Helden, geboren aus der Vereinigung von Sterblichen und Unsterblichen. Herelas der Verfluchte, Sohn des Moloch, vollführte seine 13 unmöglichen Taten und erlangte die Vergebung der Götter. Dalea, in deren Adern sich das Blut der Elfen mit dem des Archon Uriel vermischte, tötete den Riesenkönig Goltar mit nur einem Pfeil. In Berug erschlug Beothon, Abkömmling des großen grüne Wyrm Eranaes, den Trollfürsten Grem und dessen Mutter mit bloßen Händen, bevor er und sein Vater sich im Zweikampf gegenseitig vernichteten. Der Ort ihres letzten Gefechts, soll der See Fend gewesen sein, welcher daher dem alten Weg heilig war.
Doch das Rad dreht sich weiter. Die Riesen flohen, die Götter zogen sich zurück und die Drachen begannen ihren Jahrtausendschlaf. Die großen Helden fielen in der Schlacht oder durch Verrat. Es begann die Zeit der Sterblichen.

Frühgeschichte Berugs

Wenig ist bekannt über die ursprünglichen Beruger und ihre Gesellschaft. Das was man weiß, stammt aus Elfenhand oder den Reiseberichten der Südländer, die sie als primitive Barbaren betrachteten.
Berug war aufgeteilt unter 12 Stämmen, jeder beherrscht von einem von der Kriegerkaste gewählten Häuptling, dem eine Schamanin und ein Druide zur Seite standen. Während der Häuptling sich um die täglichen Regierungsgeschäfte kümmerte, waren die Vertreter des alten Weges für das spirituelle Wohl des Stammes verantwortlich. Ihre Aufgabe war es mit den Schutzgeistern zu verhandeln und den Verstorbenen Opfer darzubringen. Sie waren es auch die junge Männer und Frauen in die Kriegerkaste einführten: Die Schamanin vereinte den Krieger mit seinem Totemtier, um ihm Kraft zu geben und der Druide offenbarte ihm die Stunde seines Todes, um ihm die Furcht zu nehmen.
Die alten Beruger waren mächtige und wilde Kämpfer, wahre Barbaren die sich danach sehnten ihre Kräfte in der Schlacht unter Beweis zu stellen. Sie führten konstant Krieg gegen die umliegenden Länder, die Monster und Drachen im eigenen Land und sogar untereinander, Stamm gegen Stamm. Selbst die Elfen, mit denen sie bis aufs Blut verfeindet waren, berichten in ihren Schriften voll Hochachtung von der Kampfeskraft dieses Volkes.
Doch das Rad dreht sich weiter. Während Berug um die fünf Brüder ungeschlagen war, wächst im Süden das Imperium von einem kleinen Stadtstaat, zum mächtigsten Großreich der antiken Welt heran und seine Armeen beginnen einen unaufhaltsamen Eroberungszug nach Norden.

Imperiale Besatzung

Die Eroberung des Imperiums war kurz und brutal. Die unorganisierten Beruger hatten trotz ihrer individuellen Stärke keine Chance gegen die disziplinierten imperialen Legionen. Die Stämme wurden besiegt und das Land zur Provinz des Großreichs. Der Druidenkult wurde als Nekromantie verboten und seine Anhänger flohen in die dichten Wälder des Nordens. Der alte Weg wurde langsam aus dem alltägliche Leben der Beruger verdrängt. Um ihren Triumph zu vollenden, errichteten die Besatzer ihre Provinzhauptstadt Verga am See Fend, wobei sie die heiligen Bauten der Druiden niederbrannten und ihre Baracken auf die Ruinen setzten.
Der Süden füllte die entstandene Lücke mit imperialer Kultur und imperialem Kult. Die hier lebenden Stämme arrangierten sich mit ihren neuen Herren und profitierten von der Besatzung. Im Gegensatz dazu bildete sich im Norden ein verbissener Widerstand und ganze Generationen an jungen Männern starben für ein freies Berug, entweder in der Schlacht oder als Sklaven in den Mienen.
Doch das Rad dreht sich weiter. Das Imperium wurde dekadent und arrogant. Die einst ungeschlagenen Legionen wurden immer kleiner, immer mehr war das Reich auf Söldner angewiesen und auf Auxiliartruppen aus den Provinzen. Rebellionen begannen sich zu häufen und die Kontrolle über die äußeren Provinzen zu schwinden. Der Todesstoß aber kam von außen: In den weiten Steppen des Ostens vereinten sich die Stämme der Zentauren unter der Herrschaft des Großkahns Atarka und zogen raubend und brandschatzend gen Westen.

Die Geißel der Götter, der Fall des Reichs und die kurze Freiheit

Wie eine Strafe der Götter fielen Atarkas Horden über das verweichlichte Imperium her. Sie überrannten seine Truppen, eroberten seine Städte, leerten seine Schatzkammern und versklavten seine Bürger. Ihr Ansturm machte selbst vor der Hauptstadt nicht halt, wo sie den kaiserlichen Palast niederbrannten und den Imperator durch die Straßen schleiften, bevor Atarkas ihn erschlug.
Doch die Sümpfe um die Kaiserstadt wurden den Zentauren zum Verhängnis. Atarkas viel der Malaria zum Opfer und seine Kinder begannen einen brutalen Erbfolgekrieg. Die Horde zerfiel wieder in einzelne Stämme und wenn die Zentauren auch in den folgenden Jahrhunderten eine Gefahr bleiben sollten, so erreichten sie doch nie wieder die Macht und Größe die sie unter Atarkas hatten.
Das Imperium aber war gebrochen. Mit dem Tod des Imperators brach im Reich ein Bürgerkrieg von noch nie dagewesenem Ausmaß aus. Statt das Reich zu sichern, bekämpften sich die Legionen gegenseitig, um ihren jeweiligen General zum Kaiser zu machen. Ohne die strenge Kontrolle der Legionen begannen die Provinzen sich zu befreien und ohne die Einnahmen aus den Provinzen kollabierte das imperiale Verwaltungswesen. Ohne die Verwaltung begannen die großen Bauten zu verkommen, die Straßen verfielen und die Infrastruktur des Reichs, welche eine Herrschaft von so gewaltigem Ausmaß erst möglich gemacht hatte, brach zusammen. Es war ein langsames Sterben, über ein Jahrhundert hinweg, doch Stück für Stück löste sich das Imperium auf, bis nur noch die Erinnerung blieb.
In dieser Zeit der Unsicherheit und Verzweiflung gewann eine kleine, obskure Religion aus den östlichen Wüstenprovinzen immer mehr an Einfluss. Ihre einfache Botschaft von Gehorsam und einer gerechten Entlohnung nach dem Tod, bot vielen den Halt, den sie in ihrem Alltag nicht mehr fanden. So wurde aus einem unbedeutenden Mysterienkult die mächtige Kirche des Bahamut.
Berug blieb nicht verschont von diesen Unruhen. Der Norden, der sich nie mit der Besatzung abgefunden hatte, begehrte auf. Die vom Rest des Imperiums abgeschnittenen Besatzungstruppen hatten keine Chance gegen die Barbaren. Alle die dem Großreich gedient hatten, wurden ausnahmslos niedergemetzelt und die Provinzhauptstadt Verga in Brandt gesteckt. Auch die Südberuger, die sich die imperiale Kultur angeeignet hatten, blieben nicht verschont. Unter der Führung der Druiden begann eine systematische Hetzjagd auf alles kaiserliche, mit dem Ziel die Jahrhunderte der Unterdrückung ungeschehen zu machen und die alten Traditionen wieder ins Leben zu rufen. Berug war frei, aber es kannte keinen Frieden.
Doch das Rad dreht sich weiter. Die Freiheit Berugs war nur von kurzer Dauer. Die Drachen schliefen immer noch, ihre alten Feinde, die Riesen, aber wachten und sie sahen ein Land ohne Verteidiger. Ein Land das zu sehr damit beschäftigt war sich selbst zu zerfleischen, um ihnen etwas entgegenzustellen. Es war Zeit das sie ihr Exil im hohen Norden hinter sich ließen und in ihre alte Heimat zurückkehrten.

Die Rückkehr der Riesen und die Lange Nacht

Die Riesen kamen aus dem hohen Norden, sie kamen an der Spitze einer gewaltigen Armee aus Orks und Ogern, sie kamen Blitz und Donner in ihrer Hand, sie kamen, nur um gestoppt zu werden.
Der Norden war auf ihren Angriff nicht vorbereitet, doch Krieger und Druiden kämpften tapfer und ihr Opfer verschaffte dem Süden genug Zeit seine Verteidigung aufzubauen.
Die Stämme des Südens verwendeten eine Mischung auf dem alten, individuellen Kampfstil der Urberuger und den koordinierten Infanterie-Taktiken, die sie vom Imperium gelernt hatten. Tatsächlich gelang es ihnen die Linie zu halten. Es war aber nicht nur überlegene Kriegsführung, die dem Süden die Kraft gab den Monstern zu widerstehen, sondern auch ein neu-gefundener religiöser Eifer. Entsetzt von der Grausamkeit der ihnen fremd gewordenen Druiden, wendeten sich die Stämme vom alten Weg ab und der neuen Kirche des Bahamuts zu. Die Riesen wurden zum Zeichen einer überholten, brutalen Weltordnung, zu Schergen der Tiamat, die zu vernichten heilige Pflicht war.
Der Krieg gegen die Riesen dauerte Jahre und beide Seiten bezahlten einen hohen Blutzoll, doch am Ende kam die Armee der Monster zum stehen. Eine neue Grenze war in Berug entstanden, zwischen dem unterjochten Norden und dem freien Süden. Eine Kette von Wachtürmen, die entlang der Waldgrenze vom See Hali zur heutigen Berugsbucht verliefen, markierte diese Grenze. Es begann die Zeit, die als „Lange Nacht von Berug“ in die Geschichte eingehen sollte. Ein unsicherer Frieden, eine endlose Wacht. Der Blick immer nach Norden gerichtet, in dem Wissen das die Riesen sich nie mit der Hälfte eines Landes zufrieden geben würden, das ihnen einst Ganz gehört hatte.
Doch das Rad dreht sich weiter. In den Ruinen von Verga wurde ein junger Mann geboren, auf dessen Schultern dereinst das Schicksal von Ganz-Berug ruhen sollte. Ein junger Mann, der die Drachenklinge führen, die Stämme einen und die Riesen vertreiben sollte. Ein Mann dem es bestimmt war Großkönig von Berug zu werden und aus einer Bande Barbaren eine Nation von Kultur und Macht zu machen. Der Name dieses jungen Mannes war Alfred von Verga.

Alfred der Große (-35 bis 50 n. Gr.)

Über die Jugend Alfreds ist wenig bekannt. Er war anscheinend der Sohn eines Schmieds, möglicherweise mit entfernten imperialen Vorfahren. Versuche seine Blutlinie mit den mythischen Helden Berugs, insbesondere Beothons in Verbindung zu bringen, haben eher literarischen als historischen Wert.
Als er volljährig war, verließ Alfred seine Heimatstadt, um sich den Truppen der Wachtürme anzuschließen. Hier beginnt seine Legende. Er soll die Krieger seines Turms vor einem Überraschungsangriff der Riesen gewarnt haben, der sie ansonsten übermannt hätte. Angeblich erschienen Alfred im Traum himmlische Boten, die ihm die Gefahr verkündeten.
Zum Dank wurde er zum Kommandanten eines Aufklärungstrupps gemacht, eine Aufgabe welche ihm viel Ruhm und Ehre einbrachte. Jedes seiner Unterfangen schien von Erfolg gekrönt zu sein und so wurde er bald zum wichtigsten und bekanntesten Krieger seines Stamms.
Als sein Häuptling starb war er unter den Kandidaten für die Nachfolge, doch konnte sich die Kriegerkaste nicht zwischen ihm und seinem älteren Rivalen entscheiden. Es drohte ein Streit zwischen beiden Seiten auszubrechen, doch da trat ein geheimnisvoller Reisender, die Legende spricht von einem heiligen Wandermönch, in die Versammlung und machte einen Vorschlag: Er würde die beiden Rivalen zu einer ihm bekannten Drachenhöhle bringen. Beide sollten nacheinander hinein schleichen, um etwas aus dem Hort zu stehlen. Wer diese Aufgabe überlebte und mit dem wertvolleren Schatz zurückkehrte, war von den Göttern gesegnet und sollte Häuptling werden.
Die Krieger willigten ein und so wurden Alfred und sein Rivale zur Höhle geführt. Alfred schlich als erster hinein und kam mit einem mächtigen magischen Schwert zurück, der legendären Drachenklinge. Sein Rivale aber weckte den Drachen und wurde von ihm verschlungen.
Die Götter hatten ihr Urteil gefällt und der noch junge Alfred wurde zum Häuptling seines Stammes.
Von nun an begann er die anderen Häuptlinge davon zu überzeugen, nicht länger auf den Angriff der Riesen zu warten, sondern die Schlacht zu ihnen zu bringen. Er versammelte die Stämme des Südens hinter sich und führte sie in den Krieg gegen die Monster des Nordens. Unter seiner herausragenden Führung begannen sie ihre unterdrückten Brüder zu befreien und die Riesen Stück für Stück zurückzudrängen.
Die letzte Schlacht dieses Krieges erfolgte an dem Wachturm, an dem Alfreds Laufbahn einst begonnen hatte. Hier führte er alle 12 Stämme Berugs gegen die Armeen der Riesen. Während dieser Schlacht sollen 13 flammende Drachen erschienen sein, die an Alfreds Seite kämpften. Mit ihnen soll er die Riesen über die Klippen der Berugsbucht, in ein feuchtes Grab getrieben haben.
Der Triumph war so gewaltig, der Sieg so final und der Segen der auf Alfred lag so offensichtlich, dass er noch an Ort und Stelle zum Häuptling aller 12 Stämme und Großkönig von Ganz-Berug ausgerufen wurde. Aus dem unbekannten Soldaten aus Verga, war der größte Feldherr und Herrscher geworden den Berug je gesehen hatte.
Doch das Rad dreht sich weiter. Mit Alfreds Krönung ging ein Wandel in ihm einher. Er kehrte in die Stadt seiner Geburt zurück, ließ hier seinen Palast bauen und die Stadt renovieren. Unter seiner Herrschaft erstand Verga aus den Ruinen wieder auf, mächtiger als zuvor. Alfred war auch immer ein Anhänger des Bahamut gewesen, doch als König wurde er zu einem wahren Vorbild an Tugend und Gottesfurcht. Er unterstützte die Kirche in so immensem Maße und räumte ihr so viele Rechte und Privilegien ein, dass er nach seinem Tod als erster Beruger überhaupt, heilig gesprochen wurde. 50 Jahre währte Alfreds Herrschaft und war geprägt von wenigen Kriegen, aber viel Wohlstand und dem Bemühen Norden und Süden des Landes nach Jahrhunderten der Trennung wieder zusammenzuführen, unter der gnädigen Führung von Krone und Kirche.

Alfreds Erben (50 bis 200 n. Gr.)

Die Drachenklinge, Zeichen der Königswürde, ging vom Vater an den Sohn und dieser erwies sich als weißer und gerechter Herrscher. Doch im Laufe der Generationen begann die Wachsamkeit der Erben zu schwinden. Sie wurden weich und ließen sich auf Adelsgezänk ein, statt die Grenzen zu schützen. 50 Jahre nach Alfreds Tod griffen erneut Horden von monströsen Humanoiden Berug an, diesmal jedoch nicht als Sklavenarmee der Riesen, sondern als Seeräuber. Sie überfielen die ungeschützten Küstenstädte aller Länder um die fünf Brüder und raubten und mordeten was und wen sie nur konnte
Um Verbündete zu finden, die ihnen bei der Verteidigung der Seen helfen konnten, gingen die Erben Alfreds Zweckehen mit verschiedenen Adelshäusern der umliegenden Reiche ein. Eine Entscheidung die ihnen keine Militärhilfe brachte, aber den Grundstein für die erneute Unterwerfung Berugs legte.
Am Ende waren es die einfachen Bürger und der niedere Adel, die das Königreich zu schützen wussten. Sie errichteten auf eigene Kosten Schutzwälle und künstliche Sandbänke, die die Überfälle der Seeräuber zwar nicht stoppen konnten, sie aber doch erschwerten. Die chaotischen Monster ignorierten die verteidigten Städten Berugs und suchten sich leichtere Ziele.
Doch das Rad dreht sich weiter. Die Blutlinie Alfreds wurde schwächer und eine Reihe von Kindstoden und unfruchtbaren Erben brachte sie am Ende ganz zum erliegen. Als kein direkter Nachfolger des Großkönigs mehr gefunden werden konnte, erhob der König von Komlir seine Stimme. Er verwies auf die eheliche Verbindung, die dereinst zwischen seinem Haus und dem Herrscherhaus von Berug geknüpft worden war.

Die komlirsche Eroberung (200 bis 500 n. Gr.)

Komlir erhob Anspruch auf den Thron von Berug und es hatte die Truppenstärke diesen Anspruch durchzusetzen.
Die Ritter Komlirs fielen über das Land her, unterjochten das Volk und entmachteten den Adel. Verga brannte nieder, nur um im komlirschem Stil neu aufgebaut zu werden. Das alte Lehnswesen wurde von Grund auf renoviert und das Feudalwesen eingeführt, wobei die Ländereien unter den zweiten und dritten Söhnen des komlirschen Adels aufgeteilt wurden. Der neue König von Berug sprach nicht nur eine andere Sprache als sein Volk, er war Vasall des Königs von Komlir.
Dieses neue Königtum erwies sich jedoch nicht nur als langlebiger als das alte, sondern auch als kompetenter. Es herrschte mehr Frieden als Krieg, das Land gedieh und selbst die Drachenklinge erkannte die neuen Herrscher an und ließ sich von ihnen führen. In diese Zeit fallen auch die Drachenodem, die heiligen Kriege gegen die Heiden.
Doch das Rad dreht sich weiter. Langsam vermischte sich der neue komlirsche Adel mit dem alten berugischen. Sitten und Gebräuche verschmolzen miteinander und es entstand eine neue, selbstbewusste Kultur. Der König von Berug distanzierte sich immer mehr vom König von Komlir. Er war immer weniger gewillt, seinen Vasallenstatus anzuerkennen. Das Band das beide Länder verband brach endgültig während des siebte Drachenodems. König Philipp III von Komlir hatte von König Edward II von Berug in Erfüllung dessen Vasallenpflicht verlangt, dass dieser seine Ritter gegen eine viel zu stark verteidigte Festung der Heiden schicken sollte, nur um für Philipps Truppen die Gelegenheit zu schaffen, die Stadt, welche die Festung verteidigte, zu erobern. Eine Stadt, die keinerlei strategischen Wert hatte und deren Eroberung nur dazu gedient hätte Philipps Ruhm zu mehren.
Edward weigerte sich und kündigte Philipp die Treue. Dieser führte seine Truppen trotzdem in die Schlacht und fiel den Klingen der Heiden zum Opfer. Philipps Erbe machte Edward II verantwortlich, warf ihm seinen Treuebruch vor und erklärte ihm und Berug den Krieg.

300 Jahre Krieg (500 bis 800 n. Gr.)

Ein scheinbar endloser Krieg zwischen Berug und Komlir entbrannte. Es war ein Blutvergießen von vorher nie dagewesenem Ausmaß. Zehn Generationen lang zogen junge und abenteuerlustige Männer gegeneinander in die Schlacht, um als Helden, Krüppel oder gar nicht nach Hause zurück zu kehren. Krieger wie man sie seid der Zeit Alfred des Großen nicht mehr gesehen hatte, standen sich gegenüber und die Heroen des mythischen Zeitalters schienen wieder auferstanden zu sein. Der schwarze Prinz, die Wolfskönigin, die Bildhauerin und Gonnemir der rote Jäger sind nur einige der Namen, die dieser Krieg groß gemacht hat. Doch der größte Krieger dieses Zeitalters war auch derjenige, der es zu seinem Ende brachte: Der Drachenkönig.
Der dreihundertjährige Krieg war immer von einem fragilen Gleichgewicht geprägt worden. Mal hatte Berug, mal Komlir die Oberhand, mit langen Phasen fragiler Waffenruhe zwischen beiden Nationen. Doch gegen Ende des Krieges kam auf Seiten Komlirs eine furchtbare Schurkin an die Macht, die das Gleichgewicht permanent zu Gunsten Komlirs zu zerstören drohte: Die Jungfrau von Ornela, eine mächtige Hexe, die sich als tugendhafte Heilige ausgab. Um das Vertrauen der komlirschen Königsfamilie zu gewinnen, behauptete sie das ihr ein Gesandter des Platinumdrachen erschienen sei und verkündet habe, dass nur der Sieg Komlirs den Ländern um die fünf Brüder Frieden und Wohlstand bringen würde.
Die Jungfrau wurde zur Führerin der Armeen gemacht und zog gegen Berug in die Schlacht. Ihrer finsteren Magie erlagen die berugschen Truppen und so zog ihre Horde mordend und brandschatzend durchs Land. Selbst Verga fiel ihr zum Opfer und die stolze Stadt wurde zum dritten Mal in ihrer Geschichte niedergebrannt. Der Königspalast bliebt zwar von den Flammen verschont, doch erlag die Königsfamilie während der Belagerung einer geheimnisvollen Krankheit, offensichtlich gesandt von der Hexe aus Komlir.
Es war in dieser Stunde der tiefsten Dunkelheit, dass ein Licht entbrannte, das hell wie die Sonne war. Aus den Wäldern des Norden kam ein Mann, der in sich das Blut der Drachen trug, ein Mann dem, wie einst Alfred dem Großem, bestimmt war zu herrschen: Der Drachenkönig.
Ein Mann so groß wie ein Baum, sein Körper bedeckt von glänzenden Schuppen, mit brennenden Augen und goldenen Schwingen. Er zog durchs Land, auf Verga zu und wo immer er entlang schritt, dort schlossen sich ihm Soldaten an. Soldaten die keine Hoffnung mehr gehabt hatte, die gedacht hatten sie wären besiegt und die doch bei seinem Anblick neue Kraft schöpften. Als der Drachenkönig Verga erreichte und sich der Jungfrau entgegenstellte, hatte er eine Armee mitgebracht, die der ihren in nichts nachstand.
Die Schlacht war gewaltig, beide Armeen prallten im offenen Feld gegeneinander. Keine Strategie, keine Taktik, keine Hinterhalt, bloß Mann gegen Mann, die reinste Form des Kampfes. Über allem tobte das Duell wischen den beiden Anführern, zwischen der Hexe und dem Krieger.
Der Kampf schien ausgeglichen, bis sich die Tore des Palastes öffneten und ein einzelner, geschundener Ritter heraustrat, der einzige der den Krankheitsfluch der Jungfrau bis jetzt überlebt hatte. In seinen Armen trug er die Drachenklinge. Er hob sie hoch über seinen Kopf und schleuderte sie dem Drachenkönig entgegen. Dann erlag auch er dem Fluch.
Als die Klinge in der Hand es Königs war, stieß dieser einen gewaltigen Schrei aus, der das ganze Land erschütterte. Ein Schrei der bis in die dunkelsten Höhlen, tiefsten Seen und dichtesten Wälder drang. Ein Schrei der die Drachen aus ihrem Jahrtausendschlaf weckte.
Mit dem Erwachen der Drachen war Komlir besiegt. Seine Armee flüchtete und die Jungfrau wurde gefangen genommen. Der Drachenkönig wurde zum Großkönig von Berug ernannt und seine erste Amtshandlung war, die Jungfrau als Hexe zum Tode zu verurteilen.
Anders als alle großen Helden des dreihundertjährigem Kriegs vor ihm, zog er jedoch nicht gegen Komlir, auch wenn dieses keine Chance gegen ihn und seine Drachenarmee gehabt hätte. Stattdessen schloss er Frieden und brachte eine Ära des Blutvergießens zu ihrem Ende. Eine Tat, die ihn noch einmal weit über alle anderen Heroen dieses Zeitalters erhob.
Seine Herrschaft war eine gütige und weiße. Nie ließ er sich von seiner Macht zur Tyrannei verleiten und stets war sein Ohr offen für die Schwächsten und Bedürftigsten. Er ließ Verga wieder aufbauen, doch den verfluchten Königspalast begrub er und errichteten auf seinen Überresten einen neuen, prächtigeren Palast. Er war es auch der Bahamutswacht erbauen ließ und die Drachenritter ins Leben rief.
Seine Herrschaft währte 50 Jahre, wie einst die von Alfred dem Großen. Dann aber legte er sein Amt nieder. Der Drachenkönig spürte das für ihn, die Drachen und die Drachenklinge die Zeit gekommen war. Sie zogen nach Norden, wo das mythische Zeitalter noch nicht vorüber war. Er hatte keine Kinder und so wählte er die fünf mächtigsten Adelshäuser des Landes aus und gab jedem von ihnen einen metallischen Drachen. Sie sollten von nun an gemeinsam Herrschen, beraten und beschützt von ihrem mächtigen Gefährten. Sie waren die Drachenhäuser, sein Erbe für Berug.

Der Drachenkrieg und die Herrschaft des Bronzehauses (800 bis 1000 n.Gr.)

Zehn Jahre nachdem der Drachenkönig mit den Drachen das Land verlassen hatte, brach unter den fünf von ihm ausgewählten Adelshäusern ein Erbfolgekrieg aus. Da jedes der Häuser einen Drachen als Wappentier hatte, ist dieser Krieg als Drachenkrieg bekannt.
Das erste Opfer des Drachenkriegs waren die noch jungen metallischen Drachen, die die den Häusern zur Seite gestellt worden waren. Sie waren zu stur, zu unberechenbar und zu gutherzig um am Leben gelassen zu werden. Jedes der Häuser entsandte Attentäter und Abenteurer, um die Drachen seiner Rivalen auszuschalten. Keiner der fünf metallischen Drachen überlebte diese erste Phase der Auseinandersetzungen.
In diesem Geiste setzte sich der Kampf zwischen den Drachenhäusern fort. Kaum hatte ein Haus die Oberhand, verbündeten sich die anderen gegen es. Kaum schaffte es ein Fürst die Krone zu erringen, fiel er einem Mordanschlag zum Opfer. Das ehrliche Schwert geriet in Verruf, Gift und Dolch wurden zur Waffe der Wahl.
Binnen eines Jahrhunderts hatte sich die politische Elite des Landes fast komplett ausgeschaltet. Sieger des Drachenkriegs war das Haus des Bronzedrachen. Es war am Anfang das schwächste der fünf gewesen und deswegen von den schlimmsten Mordgelagen verschont geblieben.
Doch die ersten hundert Jahre unter der Herrschaft des Bronzehauses waren nicht viel besser, als die vorherigen hundert Jahre Erbschaftsstreit. Der Konflikt der vorher zwischen Häusern geherrscht hatte, herrschte jetzt im Haus selbst und das Morden ging fröhlich weiter.
Das Volk aber profitierte von der Schwäche des Adels. Ohne starken König bedurfte es einer anderen Institution, welche Gesetzte erlassen und Steuern erheben musste. Diese Institution war das Parlament. Ursprünglich bloß eine Standesversammlung, die dem König beratend zur Seite stand, entwickelte sich das Parlament während der Drachenkrieger zu einer echten Vertretung des Volkes, welche dem König gleichgestellt war.
Der Kampf um die Krone kam zu seinem traurigen Höhepunkt und Ende, als Prinz Edward IV bei dem Versuch seine verwandten Konkurrenten auszuschalten, den königlichen Palast niederbrannte. Das Feuer tötete Edward, seine Rivalen, fast alle weiteren Mitglieder seines Hauses und eine unbekannte Zahl an Dienern und Beamten. Danach breitete es sich auf den Rest von Verga aus, wo es den Westhafen und große Teile der Oststadt vernichtete.
Edwards Wahnsinn hatte seine eigene Familie fast vollständig vernichtet und Verga zum vierten Mal den Flammen übergeben. Das einzige Mitglied des Bronzehauses das noch lebte und einen Anspruch auf die Krone hatte, war eine junge Frau namens Elizabeth.

Die Herrschaft der Königin (1000 bis 1100 n.Gr.)

Elizabeth hatte des Feuer überlebt, da sie gar nicht im Palast gewesen war. Sie war auch nicht in Verga gewesen. Die anderen, männlichen Anwärter auf den Thron hatten sie als zu unbedeutend angesehen, um sie überhaupt in die Hauptstadt zu holen. Stattdessen war sie in der Hafenstadt an König Alfred Turm geblieben, welche im Herzen der alten Ländereien des Bronzehauses lag.
So war es auch ihre erste Amtshandlung als neue Königin von Berug, den Herrschaftssitz von Verga in diese Stadt zu verlegen, nahe an jenen Ort, an dem Alfred der Große einst die Riesen besiegt und das Land geeint hatte. In diesem Sinne ließ sie die Stadt in Berugsheim umbenennen.
Die Herrschaft von Elizabeth I von Berug war durch weitreichende Reformen und eine kulturelle Renaissance geprägt. Sie ließ die niedergebrannten Viertel Vergas wieder aufbauen und auf den Ruinen des Palastes eine große Militärakademie errichten. Sie rief die königlichen Ritter und die königlichen Jäger ins Leben und machte Kampfmagier und Krieger-Priester zu ihren ständigen Leibwächtern. Sie förderte auch die Künste und den Handel. Es war unter ihrer Herrschaft das Berug zum wirtschaftlich mächtigsten Land um die fünf Brüder wurde.
All diese Reformen brauchten jedoch Geld und die Unterstützung des Volkes. Um beides zu gewinnen, wand sie sich ans Parlament. Statt es abzuschaffen, wie einige bei ihrer Thronbesteigung befürchtet oder gehofft hatten, festigte Elizabeth seine Rechte und sicherte die neuen Befugnisse, die sich das Parlament während der Thronkrise gegeben hatte. Gleichzeitig band sie es aber auch unabdingbar an die Krone und an die Legitimität ihrer eigenen Herrschaft. Von nun an konnte das Parlament nichts mehr gegen das Königtum tun, ohne sich selbst zu entmachten.
Neben Elizabeth selbst, ist die wohl bekannteste Figur ihres Hofes Erzmagier Deed, Lehrer von Crowl und der erste Mensch der mit dem Abyss Kontakt aufnahm. Es waren Deed und seine Dämonen die die Armeen Komlirs zurücktrieben, als diese glaubten ein von einer Frau regiertes Berug, sei zu schwach sich zu verteidigen. Die Schlacht war so einseitig, das die Inquisition Deed nach dessen Tod zu einem Champion der Tiamat erklärte.
Ein Jahrhundert währte die Herrschaft Elizabeth I. Ein Jahrhundert in dem Berug zu dem wurde, was es heute ist. Wie einst der Drachenkönig hinterließ auch die Königin keine Kinder. Stattdessen machte sie Herzog Henry von Lors, ihren guten Freund und entfernten Verwandten, noch zu Lebzeiten zu ihrem Nachfolger. Nicht nur verhinderte sie damit einen weiteren Erbfolgekrieg, sie stärkte auch die Bande zwischen Berug und Lors und legte den Grundstein für die Freundschaft, die Henrys Sohn, William IV, 50 Jahre nach ihrem Tod vollenden sollte.
Elizabeth I starb im Alter von 125 Jahren. Mit ihr ging ein goldenes Zeitalter zu Ende, doch ihr Schatten reicht weit und bis heute sind die Folgen ihrer Herrschaft in Berug zu spüren.

Kleine Geschichte Berugs

Graf von Monte Pelor andsch3